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Bilder richtig verpacken und lagern
Sicherheit geht vor

Lose oder gerahmte Bilder, die gelagert oder geliefert werden, müssen zuerst fachgerecht verpackt werden. Das Kunstwerk muss vor Staub, Fingerabdrücken, kleinen Kratzern in der Oberfläche, Vibrationen und Stößen, Temperaturschwankungen und Schadstoffen geschützt werden. Karin Havlicek gibt in ihrem Buch „Bilder richtig rahmen“ hilfreiche Tipps für die geeignete Verpackung und Lagerung von Bildern.

Bei allen Verpackungsmaterialien, die in direkten Kontakt mit den Kunstwerken kommen, muss präventiv auf Säurefreiheit und Atmungsaktivität geachtet werden. Ideal sind Lagerbedingungen in einem separaten, klimatisierten Raum mit kontrollierter Lüftung, einer Raumtemperatur von circa 20 °C und ungefähr 55 Prozent relativer Luftfeuchte. Der Raum darf in keinem Fall zu feucht oder immer abgedunkelt sein, da dies die Bildung von Mikroorganismen fördert.

Tipp
Vor dem Verpacken


Jedes Kunstwerk, das eingelagert wird, sollte vor der Verpackung eingehend betrachtet und vorsichtig von allen Seiten abgestaubt werden. Zum Abstauben eignet sich ein Blasebalg, bei festen Malschichten ein weicher Ziegenhaarbesen. Bei Druckluft besteht die Gefahr, dass der Druck zu hoch ist oder austretende Flüssigkeiten das Bild beschädigen.

Vor langfristigen Einlagerungen sollte das Kunstwerk zur Dokumentation vor der Verpackung fotografiert und anhand einer ausführlichen Liste beschrieben werden, um den Ist-Zustand festzuhalten. Die Verpackung des Kunstwerks sollte an einem gut beleuchteten, geschützten und sauberen Ort erfolgen. Im Idealfall verpacken zwei geschulte Personen. In der EU-Norm EN-15946-2011 sind die Empfehlungen und Anforderungen für die Verpackung und den sicheren Transport von Kulturgütern beschrieben.

Tipp
Ungerahmte Bildverpacken und lagern

Ungerahmte Bilder benötigen zwar nicht so viel Platz wie gerahmte Bilder, doch die Lagerung ist schwieriger, da das rahmenlose Bild ohne Schutz und Halt ist. Besonders bei Temperaturschwankungen arbeitet ein Bild stark.

Verpacken von losen Papierarbeiten
Lose Papierarbeiten dürfen grundsätzlich nur mit feinen Stoffhandschuhen angefasst werden, um Fingerabdrücke zu vermeiden. Dabei sollten Papierarbeiten nur mit beiden Händen angefasst werden, damit sie nicht knicken. Da eine lose Papierarbeit sehr empfindlich ist, sollte man sie zur Lagerung plan auf einen säurefreien Karton legen. Zusätzlich sollten ungerahmte Papierarbeiten mit glattem Seidenpapier abgedeckt werden, das holz-, chlor- und säurefrei ist. Alternativ verwendet man eine Mappe.
Auch Pergaminpapier eignet sich als erste Verpackungsschicht für den direkten Kontakt mit dem Kunstwerk. Wenn möglich, sollten keine Klebestreifen wie Tesafilm verwendet werden, da das Bild beim Auspacken daran festkleben könnte. Wurden sie verwendet, müssen sie sofort nach dem Auspacken vom Papier entfernt werden. Eine lose Papierarbeit sollte liegend in der Schublade eines Grafikschranks gelagert werden.
Große Formate müssen zu zweit getragen oder abgelegt und dabei leicht gespannt werden, damit sie nicht knicken. Papierarbeiten in Übergröße kann man zwischen zwei größeren Pappen lagern, indem man sich eine Mappe anfertigt und diese seitlich mit Stretchfolie verschließt. Die Mappe kann aufgestellt werden, wenn sie auf einer entsprechenden Unterlage steht.

Verpacken von abgespannten Leinwänden
Leinwände, die vom Keilrahmen demontiert wurden, sollten ebenfalls plan und liegend in einem Grafikschrank gelagert werden. Wenn die Malschicht vollends durchgetrocknet und fest ist, kann eine abgespannte Leinwand ebenfalls mit Pergamin- oder Seidenpapier abgedeckt werden. Abgespannte Leinwände kann man auch auf einer Papprolle lagern. Besonders große Formate lassen sich so sicher verstauen. Idealerweise arbeitet man wieder zu zweit. Auf die Vorderseite der Leinwand wird zuerst säurefreies Seiden- oder Pergaminpapier gelegt. Dann wickelt man die Leinwand, mit der Malschicht sichtbar nach außen, auf eine entsprechend große, stabile Papprolle. Papprollen kann man auf Maß bestellen.
Die mit der Leinwand bewickelte, stabile Papp-rolle wird in eine weitere, robuste Papprolle geschoben. Die Enden füttert man mit leicht geknüllter Verpackungsseide aus, um die Rolle später aufstellen zu können. Eine große Leinwand, deren Farbe noch nicht trocken ist, heftet man an ihrem Rand auf eine Holzplatte. Damit das Bild nicht verstaubt, stellt man die Platte auf und baut oben mit Kartonstreifen eine Art Dach. Wenn man daran Pergaminfolie heftet, die vor und hinter der Holzplatte herabfällt, ist das Bild vor Staub geschützt.
Vor der Verpackung eines verglasten Bildes sollte das Glas gereinigt und der Rahmen abgestaubt werden. Zur Verpackung eignet sich Pergaminpapier direkt am Objekt in der Kombination mit Luftpolsterfolie oder Tyvek. Dieses Spezialvlies aus Polyethylen ist pH-neutral, weich, fusselfrei sowie atmungsaktiv und vereint somit die besten Eigenschaften von Papier, Folie und Gewebe in einem Material.

Tipp
Einlagern in Verpackungen

Ein Pastell muss mit besonderer Umsicht verstaut werden. Es sollte nie direkt auf der Oberfläche abgedeckt werden, da die Malschicht kreidet. Am besten lagert man es in einem Grafikbett aus Wellpappe in Museumsqualität, das man sich auf Maß anfertigen lassen kann. Das Kunstwerk liegt darin sicher, ohne direkten Kontakt mit der Deckplatte zu haben. Die Beschriftung mit genauer Bezeichnung wie Titel, Künstler, Größe, Format sollte gesondert, z. B. auf einem Etikett oder Blatt Papier, und von außen gut lesbar auf der Oberseite der Verpackung angebracht sein, damit man das gesuchte Werk schnell im Lager
auffinden kann. Besonders wertvolle Kunstwerke kennzeichnet man von außen mit dauerhaften Aufklebern auf der Verpackung in Leuchtfarbe, die auf den fragilen Inhalt hinweisen. In diesen Fällen ist es auch ratsam, anstelle des Künstler-namens eine Nummer zu verwenden.

Gerahmte und verglaste Bilder
Gerahmte, verglaste und verpackte Bilder sollten leicht schräg stehend, mindestens 10 Zentimeter höher als der Boden, idealerweise in einem offenen, stabilen, mit Teppichboden ausgekleideten Regal gelagert werden. Damit die Aufhängung eines Rahmens die Oberfläche eines daneben stehenden Rahmens nicht beschädigt, stellt man Vorderseite an Vorderseite und Rückseite an Rückseite. Es können zusätzlich auch stabile Kartons aus Pappe zwischen die gerahmten Bilder gestellt werden. Für wertvolle Objekte kann man sich auch einen Verpackungskarton mit Deckel aus Wellpappe auf Maß herstellen lassen. Aufgezogene Fotografien mit Glaskante, die in der Regel ungerahmt sind, müssen zusätzlich zur Verpackung mit Papier und Luftpolsterfolie immer mit einem extra Kantenschutz versehen werden. Ohne diesen zusätzlichen Kantenschutz kann schon zu hartes Aufsetzen zur Beschädigung der Glaskante führen.

Gerahmte Leinwände auf Keilrahmen
Ein stabiler Rahmen schützt das Kunstwerk vor Beschädigungen. Vor dem Einpacken eines gerahmten Kunstwerkes muss man zuerst überprüfen, ob das Bild sicher im Rahmen montiert ist. Des Weiteren muss kontrolliert werden, ob die Keile gut sitzen. Gegebenenfalls müssen sie nachgeklopft werden.

Tipp
Keilrahmenbilder

Bei hochwertigen Bildern sollten die Keile mit einem gewachsten Baumwollfaden gesichert sein, damit sie nicht herausfallen können. Damit man nicht durch das Bild bohrt, muss eine Metallplatte hinter die Keile geschoben und ein Handbohrer verwendet werden.

Zur Verpackung von gerahmten Bildern eignen sich wieder säurefreies Seidenpapier in direktem Kontakt mit dem gerahmten Bild und zusätzlich Luftpolsterfolie. Zur Abdämpfung von Stößen werden vor und hinter das eingehüllte Kunstwerk Pappen mit Stretchfolie gespannt. Alternativ kann man auch Pappen zwischen die einzeln verpackten Kunstwerke stellen.
Ideal sind Luftpolsterfolien mit einer glatten Deckfolie, einer Mittellage aus regelmäßigen, kleinen luftgefüllten Noppen und einer schaumkaschierten Deckfolie auf der anderen Seite. Die schaumkaschierte Seite ist dem Objekt zugewandt, die glatte Seite ist außen. Luftpolsterfolie ist eine zwei- oder mehrschichtige Polyethylenfolie, die unter konservatorischen Aspekten unbedenklich für die Lagerung ist. Sie ist in verschiedenen Ausführungen – alukaschiert, schaumkaschiert oder papierkaschiert – erhältlich.
Das gerahmte Kunstwerk sollte so eingeschlagen werden, dass es noch atmen kann. Wenn die Verpackungsseide etwas kleiner zugeschnitten ist, lassen sich Papier und Folie besser an den Ecken umschlagen. Zusätzlich sollten Kantenschutz und Schutzecken verwendet werden, damit auch der Rahmen unbeschädigt bleibt.

Verpackungen sichern
Tipp

Anstelle von Klebeband nimmt man besser Stretchfolie, eine dehnbare Verpackungsschutzfolie aus Polyethylen, und wickelt diese mehrfach straff um die Verpackung. So können die Verpackungsmaterialien mehrmals verwendet werden.

Für besonders empfindliche Oberflächen eignet sich Evolon. Dieses Spezialvlies hat sehr gute Barriereeigenschaften, schützt vor UV-Strahlung und isoliert. Es ist atmungsaktiv und robust. Für sehr hochwertige Kunstwerke ist auch das neutrale, fusselfreie, atmungsaktive Tyvek-Vlies ideal, das in verschiedensten Qualitäten erhältlich ist. Eine ordentliche Beschriftung an der Außenkante einer Verpackung, stets an der selben Stelle zum Beispiel oben links, erleichtert die Suche nach einem Bild im Regal und verringert somit das Risiko der Beschädigung.
Zum Anfassen und Tragen von gerahmten Bildern zieht man Spezialhandschuhe an. Für größere Formate oder sehr glatte Oberflächen eignen sich dünne, beschichtete, rutschfeste Handschuhe. Im Handel sind unterschiedlichste Handschuhe in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Bevor man ein Bild anhebt, sollte man sich das Bild von hinten ansehen und überprüfen, ob es fest im Rahmen montiert ist. Gerahmte Bilder sollten immer mit beiden Händen angefasst, angehoben und getragen werden. Beim sogenannten Einhandgriff, bei dem der Rahmen mit einer Hand nur an der oberen Leiste getragen wird, besteht die Gefahr, dass der Rahmen ausreißt und sogar die staubfreie Verklebung zerreißt. Ausnahme: Wenn ein Rahmen durch einen sogenannten Innenrahmen verstärkt ist, kann er an der oberen Leiste getragen werden. Zum Abstellen sollte man das Objekt mit beiden Händen sicher umschließen und mit Bedacht auf eine weiche Unterlage herablassen, damit es nicht zu Glasbruch kommt oder eine Gehrung aufgeht.

Beschädigungen vermeiden
Tipp

Echtvergoldete und alte, historische Rahmen sollten nur mit Trikothandschuhen aus Baumwolle angefasst werden, damit die Oberfläche nicht beschädigt wird.

Bei großen, schweren Kunstwerken muss einer der Träger das Kommando übernehmen. Der Weg, das Tragen und das Heben müssen vorher durchgespielt und abgesprochen werden. Wenn zwei Personen ein großes Bild tragen, sollte der Tragegriff beider übereinstimmen, damit das Bild sicher gehoben werden kann. Die beiden Träger sollten dabei stets Blickkontakt haben und genau gleichzeitig heben. Bilder und Rahmen dürfen nie ohne Spezialverpackung extremen Temperaturen oder Temperaturschwankungen ausgesetzt werden. So sollte beispielsweise ein in einem warmen Innenraum gelagertes Bild nie ohne Klimakiste in einem kalten Lieferwagen bei Minustemperaturen im Winter transportiert wer-den. Das Bild muss sich langsam akklimatisieren können, sonst kann es zu extremen Spannungen kommen, durch die sich Bild und Rahmen verziehen können.

Hinweis

Im Hochsommer darf ein Werk mit Rahmen nicht stundenlang im Auto liegen, da sich sonst schwere Verformungen an Bild und Rahmen ergeben können.

 

Empfehlung
„Bilder richtig rahmen“ von Karin Havlicek

Karin Havlicek vermittelt in ihrem Buch „Bilder richtig rahmen“
die Grundlagen für den sorgsamen Umgang mit zeitgenössischen
und historischen Werken.

Schritt für Schritt zeigt sie die Arbeiten des
konservatorischen Bildeinbaus. Hinzu kommen
die verschiedensten Möglichkeiten der Rahmung
und Montage sowie klassische und moderne
Formen der Bildpräsentation, kurzum, ein unentbehrliches
Grundlagen- und Nachschlagewerk für Einrahmer, Vergolder,
Künstler, Sammler, Galeristen, Restauratoren,
Museumsfachleute, Innenarchitekten.

Pappband, 208 Seiten, 23 x 25 cm, mit 275 Farbfotos.
ISBN: 978-3-421-03912-5
CHF 66,90 EUR 49,99 (D), EUR 51,40 (A)



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