Handwerk

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Rahmung von Grafiken und Papierarbeiten
Kleines Bild, große Wirkung

Es soll uns etwas sagen und mit uns sprechen. Wir wollen in einem Bild etwas lesen. Dazu brauchen gerade kleinformatige Bilder wie viele Druckgrafiken oder Papierarbeiten die Unterstützung der richtigen, blickfangenden Rahmung. Die Einheit Bild-Passepartout-Leiste ist für die ideale Gestaltung einer Grafik von erheblicher Bedeutung. Die Kunden sind meist überrascht, welche Aufwertung ein kleines Bild durch eine fantasievolle und harmonische Rahmung erfahren kann. Daher sind Ideenreichtum und ästhetisches Gespür, bei der professionellen Auswahl der Gesamtbildkomponenten gefragt. Wir zeigen, wie kleine Bilder sprichwörtlich groß rauskommen und bleibenden Eindruck hinterlassen.

Unsere Zeit verlangt auch persönliche Bilder, nicht nur einheitliche Massenware. In einer vielschichtigen globalen Welt wollen viele Kunstliebhaber etwas ganz Eigenes erwerben. „Wir sprechen heute von willkürlichen Rahmungen, die eher an der Individualität des Kunstliebhabers orientiert sind“, fasst der Kunstpsychologe Georg Franzen diesen Trend zusammen.

Position im Rahmen

Welches Motiv ist am geeignetsten? Für Doreen Schütt, gelernte Glasermeisterin, Geschäftsinhaberin und seit 1990 im Bereich Einrahmungen selbstständig, kann es gar nicht klein genug sein: „Auch eine Briefmarke ist ein tolles Objekt. Und natürlich alles, was ein Original ist – etwas mit unregelmäßigen Rändern, kleinste Aquarelle, Skizzen, Holzschnitte, sowie Druckgrafiken jeder Art.“ Und wo ist der beste Platz für das Motiv im Rahmen? Eine Faustregel lautet, dass meistens die rechte, obere und linke Seite die gleichen Maße aufweisen, wobei die untere Seite 0,5 cm bis 2 cm größer bemessen wird. Dadurch umgeht man die optische Täuschung, dass das Bild nach unten wegläuft.
Der sogenannte Goldene Schnitt ist ebenfalls eine gute Orientierung. Er bezeichnet das Teilungsverhältnis einer Strecke oder anderen Größe, bei dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil entspricht. Für die generelle These, dass diese Proportion als besonders ansprechend und harmonisch empfunden wird, gibt es allerdings keine gesicherten Belege. Die erfahrene Einrahmerin und Galeristin Cornelia Hartmann von Die Rahmenwerkstatt in Linsengericht-Altenhaßlau schränkt ein: „Früher hat man immer gesagt, der Goldene Schnitt sei das A und O. In der Natur ist ja alles danach ausgerichtet. Aber der Goldene Schnitt passt eben nicht immer. Man kann nicht immer sagen: Das Verhältnis muss zwei zu drei oder fünf zu acht sein. Es gibt definitiv keine starren Regeln mehr.“ Das bedeutet zum Beispiel auch, dass kleine Bilder auch gänzlich asymmetrisch gerahmt werden können und gerade dies zu überraschenden Effekten und einer verstärkten Aufmerksamkeit führen kann. Grundlegend ist jedoch das jeweilige Seitenverhältnis des Bildes.

Breites Passepartout

Eine Faustregel ist schließlich kein Gesetz, sondern lediglich eine Richtlinie. Es gibt deshalb auch andere Meinungen dazu, wo das Motiv am besten angebracht sein sollte. Doreen Schütt: „Der Ort für die beste Platzierung liegt wohl im Auge des Betrachters. In der Regel wird jedoch die Mitte bevorzugt. Ob man das Objekt etwas höher setzt, das Passepartout eine liegende Ansicht hat oder quadratisch ist, hängt stark vom Objekt selbst ab. Ich denke, fast alles geht. Wichtig ist, dass man dem Bild genügend Raum gibt und nicht überdeckend arbeitet.“ Aber um wieviel Prozent

kann eine Grafik durch die Rahmung vergrößert werden? „Da habe ich in einem Museum in Dänemark kleinste Bildchen in riesigen Rahmen gesehen, was ich sehr schön fand. Ich glaube, das kann man nicht in Prozent ausdrücken. Es geht, was gefällt“, so Doreen Schütt.
Ein breites Passepartout macht besonders bei Arbeiten auf Papier Sinn, denn es beeinflusst das Sehverhalten, lenkt den Blick und hebt besonders kleine Bilder hervor. Es ist selten zu groß, sondern schnell zu klein, sagen Einrahmer. Im Zweifelsfall ist es deshalb immer ratsam, es lieber eine Nummer größer zu wählen. Überraschende Ergebnisse können erzielt werden, wenn die Verhältnismäßigkeit zwischen Ausdrucksstärke und Größe des Passepartouts und des Rahmens diametral verschieden sind. Das heißt, dass zwei Punkte völlig entgegengesetzt und so weit wie möglich voneinander entfernt liegen.
Doch wie weit ist ideal und ästhetisch ansprechend? Wenn eine Bildunterschrift, Signatur oder ein Schriftzug mit zur Bildkomposition gehören, dann kann der untere Abstand zwischen Bild und Leiste durchaus größer als der obere Abstand plus 0,5 cm bis 2 cm sein. Beratungsgespräche dienen dazu, dies mit dem Kunden gemeinsam herauszufinden, um die erwünschte Wirkung des Bilds zu erreichen. Eines darf dabei natürlich nicht verschwiegen werden: Ein großer Rahmen erfordert mehr Material – bei Leiste, Passepartout und Glas – und ist deshalb teurer als eine kleinere Variante, die aber später an der Wand leicht in den Hintergrund gedrängt wird. Betonen Sie hier im Gespräch den positiven Effekt und zeigen Sie Beispiele. Dann sind die Kunden meistens schnell von der größeren Rahmung zu überzeugen.

Steigerung der Bildwirkung

Doreen Schütt: „Genau wie der Rahmen kann auch das Passepartout das Bild unterstützen oder aber selbst in den Vordergrund treten. Das gilt es zu vermeiden, denn es soll ja das Kunstwerk strahlen. Also Vorsicht mit allzuviel Farbe und auffälligen Oberflächenstrukturen. Mehrfachpassepartouts sind eine sehr gute Wahl.“ Zudem können auch Passepartouts mit Farbkern oder auch mit Einlegeleisten verwendet werden, um eine Verbindung zwischen Motiv und Leiste herzustellen und große Passepartoutflächen optisch aufzulockern. Schütt weiter: „Manchmal – und das ist besonders bei Scherenschnitten beliebt – legt man kleine Objekte in die Tiefe fast so, als würden sie schweben.“
Neben der Qualität des Papiers spielt auch die jeweilige Passepartoutfarbe eine sehr große Rolle. Sehr beliebt sind Einrahmungen mit Doppel- oder Mehrfach-Passepartouts. Dabei können die Passepartouts nicht nur unterschiedliche Ausschnittsgrößen, sondern auch unterschiedliche Farben haben. Der vordere Karton kann hier einen deutlich größeren Ausschnitt als die dahinterliegenden aufweisen, die Rahmung also in Stufen zum Motiv hin lenken. Die Bildwirkung kann dann noch mit einer Kontrastfarbe gesteigert werden. So entstehen Tiefenwirkung und Dynamik, die dem Gesamtbild Spannung verleihen. Verblüffende Effekte können erreicht werden, wenn zwei Passepartoutfarben auf einer Ebene angebracht sind. Hier ist alles möglich, denn auch Kontraste zum Rahmen können die Aussagekraft des Bildes deutlich verstärken.

Wahl der Leiste

Leisten sind das, was alles zusammenhält und den Charakter der Bildpräsentation entscheidend mitprägen. Das Motiv soll durch Profil und Oberfläche hervorgehoben und aufgewertet werden.
Doch Vorsicht: Ein leicht wirkendes, helles, kleines Bild, das durch die Rahmung optisch stark vergrößert wird, wird geradezu erdrückt, wenn die Leiste zu massiv und schwer ist. Dagegen wirkt es edel und passend, wenn es mit einer schmalen, dezenten Leiste gefasst wird und den Betrachter direkt anspricht und fesselt. Ist ein Bild klar und filigran, so kann eine schlichte Leiste diesen Wesenszug unterstreichen. An Oberflächen bieten sich dazu helle Varianten wie Weiß, Silber, Aluminium oder Holz natur an. Reines Schwarz würde womöglich wie ein Fremdkörper wirken.
Wünscht der Kunde hingegen ein kontrastreiches Gesamtbild, so ist an dieser Stelle eher ein opulenter, vielleicht sogar wuchtiger Rahmen sinnvoll. Schütt gibt allerdings zu bedenken, dass Bilderleisten für kleine Objekte niemals zu breit und mächtig sein sollten: „Flache oder nach hinten abfallende Profile eignen sich meist gut. Hier ist auch wieder die Harmonie wichtig. Wenn das Passepartout nicht zu groß ist, dann wiederum geht auch etwas mehr Rahmen.“
Für welche Anordnung, Größe und welche Komponente Sie sich auch entscheiden, herauszufinden, was der Kunde vom Bild will, wie er mit ihm kommuniziert und was er in ihm hervorheben will, ist die wichtigste Aufgabe, bevor er zur eigentlichen Rahmung in die Werkstatt geht. Durch die richtige Rahmung muss klar sein, dass das Bild genau so gemeint ist. Und da sind enge Regeln wohl keine gute Wahl. Ein großes Passepartout geht nur mit einem leichten Rahmen? Nicht zwangsläufig, aber doch meistens, so Doreen Schütt.

Rücksicht auf Individualität

Georg Franzen empfiehlt, bei Rahmungen darauf zu achten, dass der Grundfarbton nicht im Gegensatz zum individuellen Empfinden steht. Wenn zum Beispiel die Lieblingsfarbe des Kunden Blau ist, dann sollte er sich nicht vorwiegend für rote Rahmen entscheiden, „denn dies würde dann zu einer inneren Unausgeglichenheit führen“, so Franzen.

bk



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© Der Kunsthandel 2010