Handwerk

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Umrahmung eines Bildes
Erbstück wird jetzt optimal geschützt

Die Umrahmung eines alten Bildes ist eine heikle Sache. Man weiß ja nie so genau, welche Prozesse in den langen Jahren im Rahmen und unter dem Passepartout abgelaufen sind. Vor allem bei fragilen Zeichnungen oder Grafiken ist der Zustand des Papiers ein wichtiger Faktor, denn es könnte unter UV-Einstrahlung nicht nur vergilbt oder ausgeblichen, sondern eventuell auch brüchig geworden sein. Im vorliegenden Fall wurde ein liebgewonnenes Erbstück mit einem neuen Rahmen, säurefreiem Passepartout und vor allem entspiegeltem Bilderglas mit UV-Schutz versehen.

Die feine Buntstiftzeichnung mit einigen Aquarellausmalungen ist empfindlich, das sieht man auf den ersten Blick und die Farben haben, laut Angaben der Kundin, in den letzten Jahren erheblich an Strahlkraft verloren. Der bessere Schutz des Bildes ist der Hauptgrund warum sie sich für eine Umrahmung entschieden hat. Der zweite Grund ist der emotionale Wert, den die Zeichnung für die Familie hat. „Das Bild hing immer im Wohnzimmer meiner Mutter und war dort sozusagen eine feste Instanz. Das liebliche, leichte Blumenstillleben mochte jeder gerne. Zudem hat es auch eine ganz persönliche Geschichte, die es für uns umso wertvoller macht. Die Zeichnung ist nämlich durch ein Tauschgeschäft in den schlimmen Nachkriegsjahren in den Besitz der Familie gekommen. Meine Mutter war Webschulleiterin im Münsterland und hat die Zeichnung gegen einen handgewebten Stoff mit Elisabeth Prinzessin zu Bentheim getauscht. So ist ausgerechnet dieses heitere Bild eben auch eine Erinnerung an düstere Zeiten und die Tatsache, das man Kunst weder anziehen noch essen kann. Trotzdem vermochte die Kunst immer Menschen zu erfreuen, so dass sich meine Mutter für einen Tausch entschied. Sicher war sie auch ein bisschen stolz darauf, dass eine Dame von Adel mit ihr Geschäfte machte“, erläutert die Kundin die Geschichte und die persönliche Bedeutung der Buntstiftzeichnung.

Rahmung aus den 1950ern

Die Zeichnung wurde dann in den 1950er Jahren nach den damaligen Standards von einem Profi in der Kunsthandlung Kallerhoff in Hamm sachgemäß gerahmt. Man entschied sich für eine schmale mittelbraune Holzleiste mit einem schräg zum Bild hin abfallenden Profil, das der Rahmung mehr Tiefe gibt und den Blick auf die Zeichnung lenkt. Typisch für die Einrahmungen dieser Zeit ist auch das, aus heutiger Sicht, merkwürdige Passepartout. Es bestand aus dünnem braunem Karton und erinnert, auch durch die Struktur, eigentlich mehr an Packpapier. Ob es sich bei diesem dunklen Farbton und Material um die damalige Mode, den Wunsch der Kundin oder eventuell einfach um Materialknappheit handelte, ließ sich leider nicht mehr rekonstruieren. Auf der Rückseite war die Zeichnung nicht geschützt und grenzte direkt an die Rückwand aus stabilem Karton. Auch damals wurde die Einrahmung bereits rückseitig verklebt, um so das Eindringen von Staub zu verhindern. Beim Bilderglas wählte man, in Ermangelung von Alternativen, ganz normales Floatglas. Weil man die Veränderung des Papiers und der Farben über die Jahre mit bloßem Auge beobachten konnte, sollte die Zeichnung neu eingerahmt werden.



Die Qual der Rahmenwahl

Bei der Neueinrahmung, die bei Wurm Design in Lippstadt in Auftrag gegeben wurde, wurde also besonderer Wert auf den zukünftigen Schutz vor Umwelteinflüssen gelegt, die sich schädlich auf die Zeichnung auswirken können. So war die Entscheidung für ein Bilderglas mit UV-Schutz von vornherein klar, um ein weiteres Ausbleichen der Farben zu verhindern. Dass es sich dabei um ein interferenzoptisch entspiegeltes Glas von Flabeg handelt, kommt der feinen Buntstift- und Aquarellzeichnung und natürlich dem Betrachter jetzt absolut zugute.
Die Wahl des richtigen Rahmens und des Passepartouts war dafür umso schwieriger. Hier hatte die Kundin die berühmte Qual der Wahl. Hinzu kam die Tatsache, dass ihr das Blumenstillleben in seinem alten Rahmen so vertraut war, dass es anfangs doch schwer war, sich für einen neuen Rahmen zu begeistern. Zudem ist es für Laien ja fast unmöglich sich die Gesamtwirkung eines Rahmens vorzustellen, wenn man nur anhand eines kleinen Musterwinkels eine Entscheidung treffen soll. Das Bild aus dem Rahmen zu holen, kam in diesem Fall nicht in Frage, da das Papier so lange wie möglich stabil gelagert und geschützt werden sollte.
Schließlich fiel die Wahl auf die Leiste Malta von Larson-Juhl, die mit ihrem gefälligen nach innen abgerundeten Profil und dem edlen, rot unterlegten Goldton sowohl den persönlichen Geschmack der Kundin trifft als auch die individuelle Bedeutung des Bildes dezent ins rechte Licht rückt. Die eckige Außenkante des Profils ist zudem farblich dunkler abgesetzt, begrenzt so die Rahmung und gibt ihr optisch Halt. Der leichte Rotton greift einerseits Farben aus der Zeichnung auf, andererseits ist das Braun der Außenkante auch eine kleine Reminiszenz an den alten Rahmen.

Papier vorsichtig behandeln

Die besondere Schwierigkeit bei dieser Umrahmung war der unbekannte Zustand und die Beschaffenheit des Papiers auf dem die Prinzessin zu Bentheim ihr Blumenstillleben gezeichnet hatte. Bei der Öffnung der alten Einrahmung stellte sich glücklicherweise heraus, dass es sich um einem dickeren, leicht bräunlichen Zeichenkarton handelte, der zwar im Passepartout-Ausschnitt leicht farblich verändert, aber ansonsten, seinem Alter entsprechend, noch intakt war. Das deutet auch darauf hin, dass die Zeichnung bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden sein könnte, da qualitätvolles Zeichenpapaier nicht leicht zu bekommen war.
Zum besseren Schutz der Zeichnung wählte man hier ein altweißes, leicht gepuffertes und alterungsbeständiges Klapp-Passepartout von Nielsen Artcare. Verschlossen wurde die Rückseite des Stilllebens wieder mit einem stabilen Rückwandkarton aus Pappe. Rahmen und Rückwand wurden zum Schutz gegen Staub mit Papierklebeband verklebt.
„Der große Kontrast zwischen dem hellen Passepartout und dem dunkleren Papier war sicher die größte Umstellung bei der Neurahmung. Vorher war ja das braune Passepartout wesentlich dunkler als das Papier der Zeichnung und hat sie so hervorgehoben. Jetzt haben wir einen ganz anderen Effekt und sind positiv überrascht“, so die Kundin.



Richtige Hängung beachten

Auch der neue Standort der Einrahmung im Haus spielt natürlich eine große Rolle. So trägt die Hängung ebenfalls zum weiteren Schutz des Bildes bei, wenn keine direkte Lichteinstrahlung gegeben ist. Auch das ist jetzt der Fall. Das Blumenstillleben hängt zwischen zwei Fensternischen an einer gut gedämmten Außenwand. Größere Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen dürften hier also nicht gegeben sein.



Vergessene Künstlerin

Im Verlauf der Umrahmung trat auch die Frage nach dem weiteren künstlerischen Schaffen der Prinzessin zu Bentheim auf und es stellte sich heraus, dass ihre Begabung schon früh entdeckt und gefördert wurde. Die Prinzessin erwarb sich einen Ruf als Landschaftsmalerin und nähert sich mit Ihrem Stil an die Werke der Worpsweder Künstlerkolonie an. In diesem Zusammenhang könnte das neu gerahmte Stillleben mit seiner leichten Wirkung ein Hinweis auf eine frühe Studie oder eine Vorzeichnung für ein späteres Gemälde der Prinzessin sein.
Elisabeth zu Bentheim wurde 1886 als Tochter des Fürsten Alexis zu Bentheim und Steinfurt und dessen Frau Pauline, einer Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont auf Schloss Bentheim geboren, sie lebte in Bentheim, Berlin, Münster und vor allem in Burgsteinfurt, wo sie 1959 starb. Sie hinterließ ein großes Lebenswerk, das neben Bildern, die auf ihren zahlreichen Reisen entstanden, auch viele Ansichten heimischer Motive enthält. So zum Beispiel das Schloß Bentheim, die Steinbrüche, eine Szene im alten Nordhorner Hafen, Impressionen aus dem Bentheimer Wald oder aus dem Gildehauser Venn. Dazu kommen Gemälde aus Burgsteinfurt und aus Münster. Leider wurden die Bilder der Prinzessin kaum von der Öffentlichkeit beachtet, so dass ihr Schaffen in Vergessenheit geriet. 2006 erinnerte erstmals eine Ausstellung im Verein Otto-Pankok-Gildehaus in Bad Bentheim-Gildehaus an das Werk der Künstlerin.

ah


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