Handwerk

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Aufbewahrung von Kunst und Kulturgut in Privatbesitz, Teil II
Praktische Vorkehrungen zum Schutz der Kunst

Wohl kaum einem Einrahmer oder Restaurator ist es möglich, seine Kunstwerke wie beispielsweise die amerikanische Unabhängigkeitserklärung in einem Stickstofftank aufzubewahren oder in einer speziell ausgerüsteten Klimavitrine. Man lebt mit seinen Kunstwerken zusammen und nutzt sie damit automatisch auch ab. Dieser Verfall kann aber gelindert werden.

Optimal beleuchten

Ganz wichtig ist, kein direktes Tageslicht auf das Bild fallen zu lassen, denn dieses enthält bekanntermaßen zu viele UV- und Infrarot-Strahlungen. Auch Glühlampen haben viel Infrarot-Licht, allerdings wenig UV-Strahlen, bei Neonröhren hingegen ist es umgekehrt. Halogen-Lampen sollten UV-Filter und eine rückseitige IR-Abführung haben wie die speziellen Osram Decostar und Philips Capsuline. Kaltlichtleuchten mit einer Glasfaseroptik und LED-Lampen sind zwar teuer, aber konservatorisch gesehen gut. Und LED-Lampen sind auf dem Vormarsch. Viele Zubehöranbieter wie Artiteq oder Stas bieten inzwischen LED-Leuchtsysteme für den Kunsthandel an und tendenziell ist auch mit weiter fallenden Preisen zu rechnen, da LEDs immer mehr Massenmärkte erobern und in der Produktion dadurch preiswerter werden.
Vorsicht gilt also besonders vor der Bestrahlung durch Fenster, Gemäldeleuchten mit ungeeignetem Leuchtmitteln und der direkte Anstrahlung durch Spots. Lässt sich bei der Hängung der Lichteinfall durch Fenster nicht vermeiden, können diese auch mit UV-Schutzfolien beschichtet werden, um Schäden zu vermeiden. Auch spezielle UV-Schutz-Gemäldeverglasungen wie die von Schott Mirogard, Flabeg Art Control oder Plexiglas Gallery sind sinnvoll und wichtig. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass das Objekt immer Abstand zum Glas haben muss, da sonst neues Ungemach droht. Dies kann durch ein entsprechend dickes Passepartout geschehen oder durch mit Filz beschichtete, harzfreie Holzabstandleisten in einer Dicke von 0,5 bis 1 Zentimeter.

Klimaregel beachten

Warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf, das heißt, sie muss in geheizten Räumen zusätzlich befeuchtet werden. Luft ist ständig in Bewegung und um Ausgleich bemüht, deswegen wird Feuchtigkeit, die in der Luft nicht enthalten ist, vom Kunstgegenstand abgegeben und umgekehrt. Auch eine zu feuchte Raumluft ist schädlich, da hier das Bild zwar nicht austrocknet, aber dafür die Feuchtigkeit anzieht und über die Maßen aufnimmt. Wichtig ist also, Klima-Schocks zu vermeiden, Objekte nicht direkt auf Wände zuhängen um ein Mikroklima zwischen Wand und Bild zu vermeiden – auch hinter dem Gemälde sollte ein Luftaustausch möglich sein.
Als Faustregel für ein ideales Mischklima können folgende Werte angenommen werden: Luftfeuchtigkeit im Raum um 55 Prozent, die Temperatur sollte zwischen 18 und 20 Grad Celsius oder zwischen 20 und 25 Grad liegen. Wollen Sie alles richtig machen, sollte zugeführte Frischluft erst in ein Vorzimmer eingelassen und so an die optimalen Klimabedingungen angepasst werden.
Vorsicht ist bei Fußbodenheizungen geboten. Hier sollte unbedingt an eine Isolierung der Standflächen bei antiken Möbeln und Skulpturen gedacht werden. Auch beim Parkettneueinbau ist einiges zu beachten. Dieses sollte besser unversiegelt oder offenporig verlegt werden. Bei Vorhängen sollte auf Kunstfasern verzichtet werden, feuchtigkeitsspeichernde, unbehandelte Wolle oder Baumwolle sind hier besser. Auch Deckenvertäfelungen sollten unbehandelt oder nur mit Wachs behandelt sein. Und schließlich ist beim Wandanstrich zu beachten, dass keine Latexfarben verwendet werden sondern besser Leimfarben mit Zinkweiß. Alle diese Maßnahmen helfen dabei, ein optimales Raumklima zu schaffen, dass die Kunstwerke schützt.

Schützende Rahmung

Verwenden Sie für wertvolle Kunstwerke nur hochwertige Rahmen und beschichten Sie Sie die Gemäldezierrahmen-Falze mit Filz (nach EN 71).
Montieren Sie Gemälderückseitenschutz an Holztafel- und Leinwandgemälden. Bereits die Niederländer im 16. Jahrhundert hatten solche Vorrichtungen.
Ein Rückseitenschutz soll:

-einen möglichst großen Klimapuffer darstellen, d.h. sehr hygroskopisch sein
-kurzfristige Klimaschwankungen auffangen
-frei von für das Gemälde gefährlichen chemischen Zusätzen und Leimen sein
-die Rückseite des Gemäldes so dicht verschließen, dass beim Transport, die
Leinwand einen Schutz vor Vibration erhält.
-einen Rückseitenlichtschutz darstellen
-den Keilrahmen stabilisieren
-einen Schutz vor Verstaubung darstellen


Auf einen Blick

Hängung
Berücksichtigen Sie bei der Hängung Außen- und Innenwände
und halten Sie den Wandabstand ein, sonst ist der
Kunstgegenstand Bestandteil der Raumschale. In
Treppenhäusern müssen Sie auf Zugluft achten, denn dort
können die Kunstwerke austrocknen. Bei der Hängung auf
passende Wanddübel achten und verwenden Sie keine Nylon-
oder Hanfkernseile, sondern immer Messing- oder Edelstahlseile.

Wandanstrich
Berücksichtigen Sie beim Anstrich die Verwendung von
nichtabsperrenden Farben, d.h. Leim- oder Kalkfarben.
Verwenden Sie keine Latex- oder Dispersionsfarben.

Böden
Nach Möglichkeit Raumausstattung mit
feuchtigkeitsspeichernden Böden, wie nicht versiegeltem Parkett
und Wollteppichen.

Vorhänge
Verwenden Sie für Vorhänge feuchtigkeitsspeichernde Fasern,
wie Wolle oder Baumwolle ohne Appretur, keine Kunstfasern.



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© Der Kunsthandel 2011