Handwerk

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Masseverzierungen erfordern großes handwerkliches Können
Eine Verzierungstechnik mit langer Tradition

Völlig zu Unrecht werden Bilderrahmen mit einer Masseverzierung, die auch Kompositverzierung genannt wird, häufig als Rahmen von minderer Qualität oder geringem Alter eingestuft. Beides ist nicht richtig, da die Verwendung von Masseverzierungen hohes handwerkliches Können erfordert und der Einsatz von Verzierungs- und Modelliermassen bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. In DER KUNSTHANDEL erklärt Gastautor F.G. Conzen jun. die Technik.

Von Masseverzierungen spricht der Vergolder, wenn Ornamente durch eine maschinenbetriebene Walze, durch Handformen oder aber auch durch eine Handmodellierung in eine gipsartige Masse gedrückt und geformt werden, die dann auf ein Holzprofil geklebt wird, um anschließend, sobald die Masse ausgehärtet ist, in der Oberfläche verarbeitet zu werden. Ziel dabei ist es, dass die Masseverzierung so gut auf das Holzprofil abgestimmt ist, dass beides eine Einheit bildet.

Flexibel mit scharfen Konturen

Die Masse besteht traditionell aus einem Gemisch aus Kreide, Leimwasser, Leinöl, Bienenwachs und Kolophonium, einem natürlichen Baumharz. Die genaue Zusammensetzung ist von Vergolder zu Vergolder verschieden und somit ein „Betriebsgeheimnis“. Eine gute Verzierungsmasse zeichnet sich durch eine gute Konsistenz aus, die sich flexibel verformen lässt, scharfe Konturen der eingepressten Ornamente erkennen lässt und einigermaßen zügig aushärtet. Dennoch benötigen masseverzierte Rahmen je nach Stärke der Verzierung bis zu vier Wochen bis diese völlig ausgehärtet sind. Es ist nicht ratsam, zu kurze Fertigungszeiten für diese Rahmen einzuplanen, da eine verfrühte Weiterverarbeitung häufig zu Rissen in der Oberfläche führt.
Die vorbereitete Masse wird in der Regel in einem warmen Zustand, der die Verformbarkeit erhöht, in eine Maschine mit entsprechenden Verzierungswalzen gegeben, in eine Form gepresst oder auch per Hand modelliert. Anschließend wird von der nun geformten Verzierung überschüssige Masse abgeschnitten und die Verzierung wird auf das Profil aufgeklebt. In diesem Punkt unterscheiden sich insbesondere Modellrahmen von Leistenrahmen und professionelle Vergolder vom Laien: Ein guter Vergolder achtet bei einem Modellrahmen darauf, dass die Verzierungen so angepasst werden, dass diese in den Ecken entweder „durchlaufen“ oder passend enden, während es bei einem Leistenrahmen unvermeidbar ist, dass Verzierungen in den Ecken je nach Größe des Zuschnitts mal besser und mal schlechter zueinander passen. Der Fachmann hat auch ein Auge für die Proportion der Verzierung, die mit der Größe und der Breite des Profils harmonisieren sollte. Ebenso wichtig ist es, dass ein Profil, das meistens eindeutig einer kunstgeschichtlichen Epoche zugeordnet werden kann, auch mit einer Verzierung der jeweiligen Epoche kombiniert wird. Häufig erkennt man bei vielen zeitgenössischen Ausführungen, die schlechte Replik an der mangelnden Stilsicherheit des Vergolders und der fehlenden Kenntnis in der Zuordnung der Ornamente.
Einen besonderen Aufschwung erfuhr die Masseverzierung im 19. Jahrhundert, da es in dieser Zeit möglich wurde, die-se mit Walzen auf Verzierungsmaschinen herzustellen. Dadurch wurde die Fertigungszeit deutlich reduziert und im beginnenden Historismus konnten somit verschiedenste Stilelemente der zurückliegenden Epochen auf eine ökonomische Art und Weise hergestellt werden. F. G. CONZEN wurde 1854, also zu Beginn der Stilepoche des Historismus, gegründet und verfügt daher über einen Fundus mit ca. 2.000 Verzierungswalzen und Verzierungsformen. Diese werden heute nicht nur zur Verzierung von Leisten und Modellrahmen der aktuellen Kollektion genutzt, sondern vor allem auch bei der Herstellung originalgetreuer Nachbildungen und bei der Restaurierung von Bilderrahmen verwendet.

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© Der Kunsthandel 2011