Handwerk

zurück zur Auswahl

Geschichte eines traditionellen Handwerkes, Teil 2
Herstellung des Blattgoldes

Blattgold ist eines der edelsten Materialien, mit denen in der Einrahmung gearbeitet wird. An die Wirkung einer Echtgold-Oberfläche bei Bilderrahmen kommt kaum etwas anderes heran. Und genauso viel Sorgfalt, wie bei der Verarbeitung von Blattgold an den Tag gelegt werden muss, wird auch in die Herstellung investiert. Lesen Sie hier den zweiten Teil des Rückblicks auf die Geschichte der Blattgoldherstellung von Dr. Paul Bernhard Eipper, Leiter des Referates Restaurierung am Universalmuseum Joanneum in Graz.

Die eingefüllte Quetsche (ca. 500 Blatt) kommt in ein Kreuzband aus Leder und wird unter einem elektrischen Federhammer in ca. 10 - 20 Minuten zu einer Größe von ca. 120 x 120 mm geschlagen. Die Dicke beträgt jetzt ca. 1/3000mm. Die Goldblätter werden nun mit der Handzange aus Ebenholz zu je 30 Blatt aufeinandergelegt. Diese "Risse" werden dann geviertelt und in die "Lotform" für den zweiten Schlagvorgang eingefüllt. Die Lotform besteht aus einem sehr reißfesten Pergamentersatz, dem Pergaminpapier. Die Lotform enthält ca. 1600 bis 1800 Blatt und kommt nun ebenfalls in ein Kreuzband aus Leder.

Gold wird geschlagen

Mit Hilfe eines elektrischen Federhammers wird das Gold in 20 - 45 Minuten zu einer Größe von ca.140 x 140mm geschlagen. Die Dicke beträgt nun ca. 1/800 mm. Anschließend wird das geschlagene Gold wieder ausgelegt. Diesmal allerdings je 80 Blatt pro Riss. Diese Risse werden dann gevierteilt. Je nach Gewicht des Goldes und nach dem geforderten Endergebnis (z. B. Doppelgold oder normale Stärke) wird das gerissene Gold zwischen 5cm² große Holzbrettchen gelegt. Überstehendes Gold wird abgekratzt. Damit ist das Gold soweit vorbereitet, dass es in die Dünnschlagform, die "Häutchen" eingefüllt werden kann. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Häutchen noch aus der Außenhaut des Blinddarms vom Rind hergestellt. Um eine Schlagform erster Qualität herstellen zu können, brauchte man den Blinddarm von ca. 2800 Rindern. Mit der Zeit wich man dann auf Kunststoff aus. Nicht zuletzt auch aus Kostengründen.

1/10000 mm dünn

Nachdem die Dünnschlagform eingefüllt ist, kommt man dann zum eigentlichen Goldschlagen mit einem computergesteuerten Schlagautomaten.Das Schlagen wurde früher von einer Vielzahl von Goldschlägern übernommen. Das Arbeitsgerät ist zum einen der Goldschlägerstein und andererseits eine Auswahl verschiedener Schlaghämmer. Der Goldschlägerstein ist ein hüfthoher, in Sand eingelagerter Stein mit polierter Platte. Die Sandeinlagerung bewirkt, dass der Stein die Schlagenergie absorbiert. Beginnt der Goldschläger mit seiner Arbeit, so benutzt er als erstes den Anschlaghammer. Dieser hat ein Gewicht von ca. 7,5 kg und hat eine flache Platte um das Gold "aufzutreiben". Entwickelt sich das Gold nun während dieses Schlagvorganges nicht wie gewünscht, so benutzt er das Spitzchen. Dieser Hammer hat ein Gewicht von nur ca. 1,5 kg und hat eine stark gerundete Schlagfläche. Mit diesem Hammer kann er punktuell auf das Gold mit größerer Wirksamkeit einwirken. Man spricht hier vom Antreiben. Nachdem das Blattgold nun eine gewisse Größe erreicht hat, beginnt der zweite Arbeitsgang des Goldschlagens, das Ausschlagen. Der Ausschlaghammer hat ein Gewicht von ca. 5,5 bis 9 kg. Nach dem Ausschlagen folgt das Fertigmachen. Der nun verwendete Hammer, der so genannte Fertigmacher, hat ein Gewicht von ca. 12,5 kg. Nun hat das Blattgold seine endgültige Größe und eine Stärke von ca. 1/10000 mm erreicht. Nach dem Fertigmachen schlägt der Goldschläger noch ein paar Schläge mit dem Ausschlaghammer (ca. 5,5 kg), damit das Blattgold leichter aus der Form genommen werden kann.

Format meist 80 x 80 mm

Es folgt der letzte Arbeitsgang, das Beschneiden. Mit einer Handzange aus Ebenholz werden die Goldblätter einzeln aus der Form genommen und auf das Beschneiderkissen geblasen. Dies ist ein mit Ziegenleder bespanntes und mit Watte ausgestopftes Holzbrett. Mit dem Beschneidekarren (verstellbares Doppelmesser) wird nun das Blattgold auf das gewünschte Format von meistens 80 x 80 mm- zugeschnitten. Beschnitten wird das Blattgold in Seidenpapierbüchlein zu je 25 Blatt gepackt, wahlweise als loses oder Sturmgold (Transfergold).

zurück zur Auswahl

© Der Kunsthandel 2011