Handwerk

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Leimtränken
Vorbereitung für die Vergoldung

Die Vergoldung zählt zu den komplexesten Arbeitsschritten in der Einrahmerwerkstatt. Die einzelnen Arbeitsschritte erfordern Know-how, Geschick und vor allem absolute Sorgfalt. Doch es lohnt sich für jeden Einrahmer, sich intensiv mit der Technik zu beschäftigen. Die Vergoldermeisterin Karin Havlicek aus München hat in ihrem neuen Buch „Vergolden mit Blattgold“ in anschaulicher Weise beschrieben, wie die einzelnen Schritte zur perfekten Vergoldung funktionieren. Wir stellen daraus die Vorbehandlung des Rahmens, das so genannte Leimtränken, vor.

Werkstücke aus Holz, MDF- oder Spanplatten, Stuck beziehungsweise Gips, auf die eine Polimentvergoldung aufgebracht werden soll, müssen sorgsam vorbehandelt werden. Dabei stellt die Leimtränke die Verbindung zwischen dem Werkstück und der Grundierung aus Kreidegrund her. Sie muss je nach Saugfähigkeit des zu bearbeitenden Werkstückes entsprechend eingestellt werden.

Oberflächen anschleifen

Glatte MDF- oder Spanplatten müssen aufgeraut werden. Man schleift mit Schleifpapier der Körnung 80 oder 100 die Oberfläche an und bricht die Kanten. Stuck oder Gips sollten vor dem Leimtränken etwas repariert werden. Blasen sollen geschlossen, Grate entfernt sein. Holz, beispielsweise Leisten aus dem mittelgrobporigen Raminholz, wird in Faserrichtung mit einem mittelgroben Schleifpapier der Körnung 120 bis 150 geschliffen, abgestaubt und – falls notwendig – mit Alkohol entfettet, bevor man es leimtränkt. Dabei ist darauf zu achten, dass scharfe Kanten leicht gebrochen werden, damit der spätere Grundauftrag besser haften kann.
Rahmenleisten werden in der Regel einmal mit einer Leimtränke auf der Oberseite eingelassen. Werkstücke aus Span- oder MDF-Platten sollten zweimal mit einer verdünnten Leimtränke (drei Teile Leimtränke, zwei Teile Wasser) vorbehandelt werden. Das Gleiche gilt wegen ihrer starken Saugfähigkeit für Werkstücke aus Stuck oder Gips. Der Untergrund muss saugfähig, trocken, staubfrei und fettfrei sein, bevor er mit der Leimtränke bearbeitet wird. Das Werkstück muss bereits vor dem Leimtränken für die Trocknung präpariert werden. Sollen Rahmen hängend getrocknet werden, schraubt man eine passende Schraube in die Mitte der Falzkante, damit der Rahmen nicht auf der Lichtkante aufliegt, oder man arbeitet mit kleinen Leisten.
Platten stellt man nach dem Leimtränken auf vorbereitete Leisten. Das feuchte Werkstück sollte gleichmäßig trocknen können. Kann die nachfolgende Grundierungsschicht sich nicht optimal mit dem Untergrund verbinden oder in ihm verankern, können Abplatzungen auftreten.

Das Basisrezept

1 VT Leimgraupen oder Leimperlen (Kremer Nr. 63010) mit 6 VT kaltem Wasser ansetzen, oder 1 VT Leimgries mit 8 VT kaltem Wasser ansetzen, oder in Gewichtsteilen ausgedrückt 200 Gramm Leimgraupen oder Leimperlen mit (sechsmal 340 Gramm) 2040 Gramm kaltem Wasser ansetzen, oder 240 Gramm Leimgries mit (achtmal 340 Gramm) 2720 Gramm kaltem Wasser ansetzen.
Um einen Rahmen der Außenmaße 70 mal 100 Zentimeter, mit einer Schenkelbreite von 2,5 Zentimetern mit Leimtränke einzulassen, benötigt man ca. 50 Milliliter Leimtränke. Ein Volumenteil (VT) hierfür entspricht einem stark gehäuften Esslöffel oder einer kleinen Filmdose.
Achten Sie bei der Auswahl des Leims auf Qualität. Einen guten Leim erkennt man an der Helligkeit, am Quellverhalten (eine Graupe quillt gleichmäßig) und an der Klarheit nach dem Quellvorgang. Leimgries quillt wesentlich schneller, doch lässt sich die Qualität des Leims erst beurteilen, wenn er mit Wasser angesetzt und erwärmt ist.

Sauberkeit beachten

Der Leim wird in ein großes Glas gefüllt und mit der erforderlichen Menge an kaltem, destilliertem Wasser angesetzt. Die Verwendung von keimfreiem, destilliertem Wasser garantiert längere Haltbarkeit als Leitungswasser. Das Wasser muss kalt sein, da der Leim sonst sofort verklebt. Das Glas sollte absolut sauber sein. Bevor man den Leim ansetzt, das Glas nochmals mit warmem, klarem Wasser ohne Seife ausspülen.
Während des Quellens sollte der Leim ab und an umgerührt werden. Für den Quellvorgang von Graupen oder Perlen sollte man etwa drei Stunden veranschlagen. Leimgries benötigt etwa 30 Minuten. Der Leim ist vollständig gequollen, wenn man eine eingeweichte Graupe oder ein Grieskorn leicht zwischen zwei Fingern zusammendrücken kann und der Kern hell und weich, das Wasser vollständig aufgesaugt ist. Der Leim kann jetzt im Wasserbad erwärmt werden, jedoch nicht auf mehr als 50 Grad, da er sonst seine Bindekraft verliert. Bedecken Sie den Boden des Topfes mit Splitsteinchen, um den direkten Kontakt des Glases mit dem Topfboden zu vermeiden, wenn Sie den Leim im Wasserbad erwärmen.

Test mit dem Handballen

Ist der Leim handwarm und gleichmäßig aufgelöst, wird mittels der Ballenprobe die Feineinstellung vorgenommen. Mit einem Borstenpinsel gibt man ewarme Leimlösung auf einen Handballen und tupft die Stelle mit dem anderen Handballen trocken. Die Leimtränke ist optimal, wenn die Handballen leicht aneinander kleben. Das angegebene Rezept eignet sich für alle gängigen Weich- und mittelharten Hölzer, die saugfähig oder offenporig sind.
Ist die Leimtränke zu stark konzentriert, kann es später zu schollenartigen Abplatzungen oder Rissen in der Grundierung kommen, da sie selbst zu viel Oberflächenspannung hat. Ist sie zu schwach, haftet der Grund möglicherweise nicht. Das Problem wird oft erst beim Polieren des Goldes erkennbar, da ein nicht unerheblicher, mechanischer Druck mit dem Achat auf den Kreidegrund ausgeübt wird. Zu diesem Zeitpunkt aber wurden schon viel Mühe, Arbeit und Material aufgewendet. Für das Auftragen der Leimtränke sind also eine optimal eingestellte Leimtränke und ein gut vorbereitetes Werkstück Voraussetzung, hinzu kommt die konstante Arbeitstemperatur an einem sauberen Arbeitsplatz.

Zügig auftragen

Die Leimtränke muss möglichst warm aufgetragen werden, da sich die Poren des Holzes durch die Temperatur noch weiter öffnen, die Tränke somit besser aufgenommen werden und eindringen kann. Zum Leimtränken wird ein Borstenpinsel verwendet. Der Auftrag sollte schnell und gründlich erfolgen, da die Tränke, wenn sie erkaltet, ihre Dünnflüssigkeit und damit Eindringtiefe verliert. Sie wird mit leicht massierenden Bewegungen auf das Werkstück aufgerieben. Wichtig ist, dass an den Ecken und Kanten keine Pfützen oder Nasen stehenbleiben, sondern die Tränke komplett vom Holz aufgesogen wird. Kontrollieren Sie dies durch einen prüfenden Blick im Streiflicht.
Nach dem Erkalten der Leimtränke wird das Gefäß mit Datum und Bezeichnung versehen und im Kühlschrank aufbewahrt. Solange die Leimtränke in gallertartigem bis festem Zustand und klar ist, kann man sie verwenden (Haltbarkeit ca. 15 Tage). Nicht mehr benutzen sollte man sie, wenn sie flüssig zu werden beginnt oder sich gar Schimmelpilz gebildet hat. Da sie aus natürlichen Materialien besteht, kann man flüssige Leimlösung im Abguss entsorgen. Die Leimtränke soll tief eindringen und zum verbindenden Glied zwischen dem Werkstück und der Kreidegrundierung werden, Sie ist deshalb mit großer Sorgfalt zu verarbeiten. Hat man eine größere Menge Leimtränke hergestellt, kann man sie, portioniert in Plastikgefäßen, einfrieren und nach Bedarf auftauen.

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© Der Kunsthandel 2011