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Versand von Bildern
Sicherheit in der Kiste, Teil II

Wer Transportkisten für den Bilderversand selbst bauen möchte, ist oft unsicher, ob die verwendeten Materialien überhaupt dafür geeignet sind. Es wäre wirklich schade, wenn Sie bei der Rahmung der Bilder nach konservatorischen Regeln vorgehen, diese beim Transport aber unnötig Gefahren aussetzen. Diplomrestaurator Dr. Paul-Bernhard Eipper, Leiter des Referats Restaurierung am Universalmuseum Joanneum in Graz, hat im ersten Teil Werkstoffe auf Metall-, Holz- und Textilbasis für den Kistenbau unter die Lupe genommen und geht jetzt besonders auf Kunststoffe, Kleber und Farben ein.

Nur säurefreie und weichmacherfreie Kunststoffprodukte sollten beim Bau einer Versandkiste Verwendung finden. Generell sollten keine Chloridverbindungen (z.B. PVC) eingesetzt werden. Es eignen sich Produkte aus Polyethylenterephtalat z.B. Mylar, Polyethylen z.B. Dibond, Polycarbonat, z.B. Lexan, Tuffak oder Makrolon, Polymethylmethacrylat z.B. Lucite, Plexiglas oder Perspex und Polypropylen. Weniger sinnvoll sind Polyester, Polystyrol und Silikone. Letztere geben vor allem bei der Trocknung Essigsäure ab.
Unter den Schaumstoffen sind physikalisch aufgeschäumte Niederdruck-Polyethylenschäume (z.B. Neopolen, Ethafoam, Plastazote), Polypropylen (z.B. Microfoam) und Acrylatschäume, sofern sie nicht mit Klebestreifen beschichtet sind, unbedenklich. Dabei ist zu bemerken, dass sie nicht hygroskopisch sind. Bei Latex-Kaltschäumen ist auf Netzmittel zu achten, die in diesen Schaumstoffen enthalten sein können. Bei den PUR-Schäumen muss zwischen Hartverschäumung – diese erfolgt physikalisch durch Beimengung von leicht verdampfenden Stoffen – und Weichverschäumung – diese erfolgt chemisch durch Anwendung wasserhaltiger Polyolkomponenten – unterschieden werden. Bei der formgebenden Polyaddition reagiert das Wasser mit einem Teil des Isocyanats unter Bildung von Kohlendioxid, das die Masse verschäumt, wobei diese zugleich gummiartig erstarrt. Diese Schäume sind ebenfalls nicht hygroskopisch.

Verstärkte Erschütterungen

Es sei an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, dass die Verwendung von großen Mengen weichen Schaumstoffs keineswegs Erschütterungen reduzieren, sondern auf Kisten einwirkende Stöße um ein Vielfaches verstärken. Dies sollte vor allem bei genormten Leihkisten beachtet werden, welche durch Schaumstoffeinlagen für den zu verpackenden Kunstgegenstand passend gemacht werden.
Klebstoffe, Klebebänder und Dichtungen sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Keinesfalls sollten diese Materialien mit den Objekten in Kontakt geraten. Prinzipiell sind PU-Kleber (z.B. Pattex) zu vermeiden. Oft sind den gerne verwendeten Weiß- oder Kaltleimen auf Polyvinylacetat-Basis hoch siedende Lösemittel beigegeben, da die eingesetzten, billigen, homopolymeren PVAC zu spröde sind. Diese weichmachenden Zusätze dampfen mit der Zeit aus. Hier wäre der Einsatz von reinem Mowilith DHS sinnvoller, da es ohne Weichmacherzusatz auskommt.
Einige Acrylharzkleber (z.B. Paraloid B 72) oder transparente Acrylharzkleber auf Polyesterklebebändern (Scotch Brand Tape # 415), Zwei-Komponenten Epoxidharzkleber (z.B. Hxtal, EpoTek 301-2) und auch PVAC-Emulsionen wie Mowilith DMC sind möglich. Sinnvoller sind die copolymeren Polyvinylacetate mit hoher Klebekraft (z.B. Airflex EP 11). Heißschmelzkleber (z.B. Beva 371) auf Basis von Ethylenvinylacetat (stellen ebenfalls eine sichere Variante dar.

Alternde Materialien

Naturkautschuk- oder Zellkautschukklebebänder sollten nur unbeschichtet eingesetzt werden und mit einer Dispersion aufgeklebt werden. Dieses Beschichten der Abdichtbänder mit flüssiger Dispersion von Hand ist zwar sehr zeitaufwendig, stellt aber sicher, dass sie frei von hoch siedenden Lösemitteln sind. Viele Verpackungsmaterialien verlieren mit der Zeit zumindest teilweise ihre positiven Eigenschaften. So nehmen die dynamischen und damit polsternden Eigenschaften der Schaumstoffe mit zunehmendem Alter ab und Gummidichtungen schließen möglicherweise nicht mehr dicht ab. Isoliermaterialien können sich außerdem abhängig von der Temperatur verändern. Bei tiefen Temperaturen tritt eine Versteifung der Materialien ein, bei hohen Temperaturen eine Erweichung.
Vielfach ändern sich die physikalischen Eigenschaften auch durch eine hohe relative Luftfeuchtigkeit. So ändern sich die strukturellen Eigenschaften verschiedener auf Papier basierender Werkstoffe. Materialien für den Einsatz in Transportkisten sollten keine Beeinträchtigung der Objekte verursachen. Es sollten bei Schaumstoffen keine Rückstände aus der Produktion auftreten. Transportkistenmaterialien dürfen keinen Staub, Sporen oder schädliche Fasern enthalten oder frei setzen. Ebenso sollten Stoffe, die Schädlinge anziehen, oder saure Produkte abspalten könnten, sowie Farbstoffe und Pigmente in Textilien, die nicht farbecht sind und ausbluten können, vermieden werden.

Farben ausdampfen lassen

Bei den Anstrichstoffen darf man keine ölhaltigen, alkydharzhaltigen, polyurethanhaltigen Farben oder Überzüge und gegebenenfalls auch keine Zwei-Komponenten Epoxidharzfarben verwenden. Die aliphatischen Kohlenwasserstoffe in diesen Farben müssen zumindest ein Jahr ausdampfen. Acrylhaltige, wassermischbare Farben sind sicherlich sinnvoller, müssen aber auch ausdampfen.
Umfassende Untersuchungen über den Einfluss von Lösemitteln, ammoniakalischen Verbindungen oder Formaldehyden auf die heterogenen Materialkombinationen vieler Kunstwerke stehen noch aus. Doch gilt als sicher, dass beispielsweise Lösemittel die originalen Bestandteile, primär organische Materialien, schleichend verändern. Erkennbar sind diese Prozesse vor allem durch Farbveränderungen der Pigmente, Bindemittel oder Firnisse. Sie sind nicht umkehrbar und kumulativ, addieren sich also bei fortschreitender Exposition. Formaldehyd wiederum gerbt tierische Leime und Weichmacher lagern sich an Exponaten an und verändern deren Löseparameter. In ungünstigen Fällen werden Feinstaubpartikel aus der Luft gebunden, welche damit Verschmutzungen der Oberfläche verursachen. Bei diesem, Fogging-Effekt genannten, Vorgang sind noch nicht alle Ursachen vollständig geklärt. Fest steht jedoch, dass Weichmacher einen entscheidenden Anteil am Effekt haben.
In der Regel werden handelsübliche Dispersionsfarben eingesetzt. Ihre hohe Deckfähigkeit, vielfältige Tönbarkeit und einfache Verarbeitung sprechen für ihren Einsatz. Doch Dispersionsfarbe ist nicht gleich Dispersionsfarbe. Die Unterschiede liegen in ihrer quantitativen und qualitativen Zusammensetzung. So enthalten gerade preiswerte Typen durchaus noch geringe Mengen leichtflüchtiger oder hoch siedender Lösemittel zur Trocknungsverbesserung. Beide Substanzen wandern dann in die Luft, wobei die so genannten Hochsieder problematischer sind, weil sie über lange Zeiträume hinweg kontinuierlich in die Umgebung ausdampfen. Prinzipiell sollten Versandkisten nicht unter Raumtemperatur zumindest ein bis drei Monate ausdampfen, bevor sie befüllt werden.

Oddy-Test

Zur Überprüfung des Schadstoffgehaltes in Versandkisten bietet sich der Oddy-Test an. Er wird eingesetzt, um die Schädlichkeit und das Ausmaß der ausdiffundierenden Gase zu testen. Als Metallplättchen werden Kupfer, Blei und Silber auf 10 mal 15 Millimeter zugeschnitten. Sie werden jeweils mit einem Glasfaserradierer gereinigt, wobei für jedes Material eine eigene Mine verwendet wird. Anschließend werden die Metalle mit Aceton gereinigt und mit einem saugfähigen sauberen Papier abgetrocknet. Die Metalle sollen nach der Reinigung nur noch mit Handschuhen und einer Pinzette angefasst werden. Die Metall- und Materialproben werden in die Kiste gehängt beziehungsweise gelegt. Anhand der Korrosion an den Metallplättchen kann man dann erkennen, ob die Schadstoffkonzentration zu hoch ist.

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© Der Kunsthandel 2011