Handwerk

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Furnierte Rahmen
Vom Schneiden und Leimen

Edelholzfurniere bei Bilderrahmen tauchen in der materialbewussten Epoche der internationalen Stilkunst um 1900 in unterschiedlichen Versionen auf. Waren Bilderrahmen im Rokoko oder Barock
meist vergoldet oder in schlichtem Holzton gehalten wie bei flämisch-niederländische Rahmen, bildete sich um die Jahrhundertwende diese Form der Einfassung in einigen
Regionen als ebenbürtige Alternative heraus.

Die Art der Rahmung entsprach dem Geist der Zeit, der von der Tendenz gekennzeichnet war, die Funktion und den Materialwert optimal zu betonen. Vor allem in der Einrichtungskultur der Wiener Werkstätten (neben Österreich im heutigen Ungarn und Kroatien) waren die Rahmen integriert und korrespondierten mit den Edelholzfurnieren der Möblierung. Ein schönes Beispiel dafür ist der Edelholzfurnierrahmen aus dem Zagreber Museum für Moderne Kunst, der zur Fassung eines Portraits, das der Maler Vjeskoslav Karas um 1850 geschaffen hat, verwendet wird. Der Rahmen zeigt, wie unterschiedliche Holzarten auf das Kunstwerk und die jeweilige Umgebung wirkungsvoll abgestimmt werden. Das abschließende Finish, die Schellackpolitur, versetzt das Material in einen sphärischen Glanz, der ähnlich einer Vergoldung das Kunstwerk in eine entsprechende Aura hüllt. Durch die Rundungen, die das Bild begrenzen, wird die hohe Kunst des Handwerks betont. Die Kanten sind bei diesem Beispiel mit Furnierholz verblendet. Ein solcher Abschluss wäre mit Massivholz in dieser Perfektion nicht möglich. Edelholzfurniere haben dem Massivholz gegenüber zudem den Vorteil, dass sie nicht zur Rissbildung neigen.

Bewährte Technik in allen Epochen
Die Technik der Furnierung ist seit mehr als 3000 Jahren bekannt, dies belegen Funde aus dem alten Ägypten. Auch in der römischen Zeit lässt sich die Verwendung von Furnierhölzern nachweisen, und in der Neuzeit finden wir Furnierholz in allen Epochen. Doch in keiner dieser Epochen wurde das Material mit solcher Konsequenz bei Bilderrahmen verwendet wie im Jugendstil.
Die Bezeichnung „Furnier“ ist dem Französischen entlehnt und beschreibt den Vorgang, weniger wertvolles Holz mit edlerem Blattholz zu belegen. Viele Edelholzarten eignen sich zur Furnierherstellung, die eine unüberschaubare Bandbreite an Farben und Strukturen anbieten. Wuchs, Struktur und Maserung des Rundholzes können beim Fertigungsvorgang optimal angepasst werden. Dabei hat die Verarbeitung von Furnierholz dem Massivholz gegenüber den Vorteile der kompakten Dehnbarkeit. Darüber hinaus ist der ökologischen Aspekt des Holzverbrauches beachtenswert: vor allem bei den langsam wachsenden Edelhölzern ist der Verbrauch der feinen Furnierplatten wesentlich geringer als beim Massivholz.

Messern und Vernähen
„Bei technisch anspruchsvoller, modernster Furnierproduktion können sämtliche schöpferischen und gestalterischen Möglichkeiten, die im Rohholz vorhanden sind, in vollendeter Weise verwirklicht werden. Darüber hinaus ist durch das Messern bzw. Schälen der wertvollen Hölzer zu dünnen, im Allgemeinen nur 0,5 bis 0,7 mm schwachen Furnierblättern eine maximale Ausnutzung und somit sparsamste Nutzung des wertvollen Rohstoffes gewährleistet,“ erklärt Friedrich Kohl, Gesellschafter des Furnierwerks Fritz Kohl in Karlstadt. Wie aufwendig und kompliziert die Herstellung von Furnierholz ist, wird deutlich: Die Elastizität, die man benötigt, erhält das Holz durch Kochen, das nach dem Zurichten des Rohstoffes zu einem Block erfolgt. Durch diesen Prozess wird die Farbe des Holzes beeinflusst. Danach erfolgt das Messern, bei dem der Block in feine Furnierblätter zerlegt wird. Furniere werden vor dem Verarbeiten meist zu Furnierdecken, sogenannten „Fixmaßen“, gefügt, so dass das Aufbringen auf eine Platte in einem Schritt erfolgen kann. Dazu werden die einzelnen Furnierblätter beschnitten und dann auf Stoß geleimt. Eine andere Art der Leimung, den im zickzack verlaufenden Klebefaden, bezeichnet man als Vernähen.

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© Der Kunsthandel 2012