Handwerk

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Oberflächenveredelung
Goldene Zeiten

Vergoldete Bildeinfassungen sind die Spitzenreiter unter den Rahmen. Nicht nur die edle Erscheinung, auch der Glanz und die Kostbarkeit
des Materials verleihen ihnen einen ganz eigenen Charme. Um dieses Ergebnis erzielen zu können, gibt es unterschiedliche Arten, mit
denen man Rahmen vergolden kann. Wir stellen Ihnen hier drei wichtige Techniken vor: die Goldsgraffittotechnik, die Ölvergoldung und die Kombination aus verschiedenen Techniken.

Die Reiss-Engelhorn Museen (REM) in Mannheim beherbergen neben zahlreichen Artefakten aus den unterschiedlichsten Epochen auch eine Vielzahl hochwertig gerahmte Gemälde aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Originale Rahmungen aus den jeweiligen Epochen sind dabei allerdings die Ausnahmen, in der Regel wurden die Bilder später neu gefasst. Dabei wurde die Fassung an die Moden der jeweiligen Zeit angepasst und entfernt sich auf diese Weise von der ursprünglichen Form. Ausstellungen, die gerahmte Bilder aus dem Besitz der REM zeigen, wie zuletzt die Ausstellung „Meisterhaft“, wie Bilderrahmen die Rezeptionsgeschichte eines Werkes mit beeinflussen können. Darüber hinaus kann man an diesen Rahmen erkennen, dass die handwerklichen Techniken ihre Kontinuität bewahren. Anhand ausgewählter Beispiele aus der Sammlung der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, werden im Folgenden einige besondere Techniken der Oberflächengestaltung von Bilderrahmen vorgestellt.

Die Goldsgraffittotechnik

Zu den meist beachteten Objekten der Ausstellung „Meisterhaft“ gehörte Lukas Cranachs Gemälde „Madonna mit Kirschen“ aus dem Jahr 1506. Dieses Gemälde wurde mit einem Plattenrahmen im Renaissancestil mit Außenmaß: 69 x 58cm, Innenmaß: 48 x 37cm, Tiefe: 6cm und Schattenfuge: 3 cm gefasst. Dabei sind die Innen- und Außenleisten vergoldet, und die Innenleiste wurde zusätzlich mit einem erhabenen Schmuckprofil hervorgehoben. Plattenrahmen wie dieser – allerdings weniger prächtige – waren im Umfeld der Cranachwerkstatt gebräuchlich. Bei der Rahmung dieses Cranach-Gemäldes spielen neben dem Zeitgeist, dem dieser Plattenrahmen sehr nahe kommt, auch moderne Wahrnehmungsgewohnheiten eine Rolle. So waren Schattenfugen, in der Art wie sie hier vorhanden sind, zur Zeit der Renaissance wahrscheinlich weniger verbreitet. Zu den Besonderheiten der Rahmung von Cranachs „Madonna mit Kirschen“ gehört nicht nur der Rückgriff auf die zeitgemäße Renaissanceform, sondern auch die Art und Weise der Gestaltung der Oberfläche der Rahmenplatte selbst.

Verwendung auch für Bildwerke

Hier wurde nämlich die Goldsgraffittotechnik verwendet, um eine aufwendige Pflanzenornamentik aufzubringen. Goldsgraffitto ist eine Schabtechnik, die auf das frühe 14. Jahrhundert zurückgeht und sich wahrscheinlich aus der Verzierung von Metalloberflächen heraus entwickelt hat. Nicht nur bei Rahmen, sondern auch bei Bildwerken wurde diese Technik zu Beginn des
14. Jahrhunderts angewendet. Sie wurde bereits von Simone Martini (1284-1344) in einer Verkündigungsszene ausgeführt. Die beiden Autoren Johannes Klinger und Roland Thomas beschreiben diese Technik in ihrem Buch „Die Kunst zu Vergolden“ von 1989 wie folgt: „Die Goldsgraffittotechnik – in Vergolderkreisen auch als Goldradierung bezeichnet – ist relativ einfach anzuwenden. Ihr Reiz liegt in der Wechselbeziehung zwischen Farbe und Gold. […] Auf eine Metallfolie, meist aus Gold, wurde die Farbschicht aus Pigment und Eigelb in mindestens zwei Lagen aufgetragen. Mit einer Lochpause wurden zunächst die Konturen angepasst. Dann wurde mit einem hölzernen Griffel, der auf einer Seite zugespitzt und auf der anderen Seite flach war, die Form herausgekratzt.“ Der besondere Charakter bei dem Sgraffitto des abgebildeten Cranach-Rahmens besteht in dem malerischen Duktus der Ornamente, der durch zusätzliche Patinierung nach dem Radiervorgang erreicht wurde. Durch diesen Arbeitsgang verwischten sich die harten Konturen des Rankenwerks, sodass die malerische Wirkung der Zierformen weiter verstärkt wird.

Verschiedene Vergoldertechniken kombiniert

Ein gutes Beispiel für die Verwendung unterschiedlicher Vergoldertechniken in Kombination findet sich in der Sammlung in Gestalt eines Rahmens der ausgeprägte klassizistische Elemente aufweist, wie sie im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts üblich waren. Diese Rahmung (Außenmaß: 70 x 55cm, Innenmaß: 60 x 40cm, Tiefe: 8 cm) wurde für ein Gemälde von Benjamin Gerritz Cuyp verwendet. Der Künstler wurde 1612 in Dortrecht geboren und verstarb dort im Jahr 1652. Thema seines Gemäldes ist die Anbetung der Hirten. Bei jenem klassizistischen Rahmen kommt neben der
Pigmentvergoldung, die bei der inneren Platte deutlich sichtbar wird, auch die Mattvergoldung zur Anwendung. Das erhabene Relief, das in die innere Hohlkehlenleiste eingefügt wurde, kann nicht poliert werden. Es bedarf also anderer Techniken, um hier den gewünschten Glanz zu erzeugen. Wie der Name sagt, ist der Glanz bei dieser Art der Vergoldung deutlich matter als bei der inneren, 2 cm breiten Platte, deren Wirkung durch zwei Stäbe betont wird. Diese Stäbe sind unterschiedlich gestaltet. Der Äußere ist mit Eierbändern, wie sie bei dorischen Friesen gebräuchlich waren, verziert. Der innere, etwas breitere Stab ist mit Spitzen von Akanthusblättern gestaltet, die wiederum mit der Dekoration in der Hohlkehlenleiste korrespondieren.

Unterschiedliche Glanztöne als Akzente

Dieser Rahmen entstammt einer späteren Epoche als das Gemälde selbst und sicher wäre ein flämischer Ebenholzrahmen für jene bescheidene Szene weit passenden gewesen. Die Entscheidung für einen vergoldeten Rahmen ist jedoch unter dem Aspekt der häuslichen oder musealen Repräsentation durchaus nachvollziehbar. Die Architektur des Rahmens betont die Wertigkeit des Bildes und hebt dessen Bedeutung durch ihren bühnenartigen Aufbau besonders hervor. Auf die Inszenierung bezogen ergibt der unterschiedliche Glanz der einzelnen Rahmenteile durchaus Sinn und ist nicht ausschließlich unter dem Aspekt der ästhetischen Spielerei zu interpretieren. Hier wird eine Abstufung der Helligkeitswerte, die den Blick des Betrachters auf das Werk im Inneren lenkt, deutlich. In diesem Zusammenhang erfüllen die erwähnten Stäbe rund um die innere Platte durch ihren Schattenwurf die Funktion des Abdämpfens des allzu hellen Tons der Pigmentvergoldung. Sie entsprechen so dem dunklen, melancholischen Timbre, in dem die Malerei gehalten ist. Solche Nuancen im Glanz der unterschiedlichen Rahmenteile sind vom Vergolder und vom Sammler durchaus gewünscht. Generell geht die Tendenz heute – im Gegensatz zu früheren Epochen – nicht mehr zu einem strahlenden Glanz, selbst bei der reinen Pigmentvergoldung. Durch unterschiedliche Patinierungen wird vielmehr die Lichtreflexion sogar gebrochen. Dadurch kommt die Brillanz des künstlerischen Werkes besser zur Geltung und ein aristokratische Protz wird vermieden.

Mattvergoldung und Polimentvergoldung

Ein übliches Verfahren ist auch, wie hier, eine Mattvergoldung dem hochpolierten Gold gegenüberzustellen. Die Gestaltung einer solchen Mattvergoldung erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl, das Poliment ist auch hier die Basis. Im Gegensatz zur Polimentvergoldung bevorzugt man in der Regel einen gelben Untergrund, um zu vermeiden, dass Risse in der Goldfolie allzu sichtbar werden. Diese Risse entstehen beim Anschießen der Goldplättchen auf die unebene, reliefartige Fläche. Im Gegensatz zur Polimentvergoldung wird das Poliment hier mit einer dünnen Leimschicht überzogen. Nach dem Trocknungsprozess wird die Netze aufgetragen, die die Goldblättchen aufnimmt. Eine abschließende Lackierung bildet das Finish und sorgt für den warmen, matten Ton, von dem diese Art der Vergoldung ihren Namen hat. Als Lackschicht verwendet man in der Regel Spritlack. Einen Tipp geben die beiden Fachleute Klinger und Thomas bei der Kombination von unterschiedlichen Vergoldungsarten: Man soll „die Farbe und den Grad der Mattierung vor dem Beginn der eigentlichen Mattierarbeit auf einem Probestück zu testen, wobei zur Orientierung auch Glanzgold auf dem Probestück aufgebracht sein soll.“

Die Ölvergoldung

Ein anderes Beispiel für die Vergoldung einer reliefartigen, komplizierten Oberfläche in der Sammlung der Reiss-Engelhorn Museen ist ein Christuskopf aus dem 17. Jahrhundert, dessen Schöpfer unbekannt ist. Der Rahmen trägt folgende Maße: Außenmaß: 53 x 45cm, Innenmaß: 40 x 30cm, Tiefe: 3 cm.
Reliefartige, stark strukturierte Oberflächen lassen sich durch das Verfahren der Mattvergoldung, wie oben beschrieben, fassen. Zudem gibt es noch eine zweite Möglichkeit, die Ölvergoldung. Hartmut Winter von der Rahmenwerkstatt Lauth in Ludwigshafen kennt dieses Verfahren sehr gut. Hier wird das Holz vor dem Anlegen der Goldfolie noch zusätzlich mit einer Lackschicht abgesperrt, um zu verhindern, dass der Ölauftrag im Holz verschwindet. Ist dieser Arbeitsschritt erfolgt, beginnt die eigentliche Ölvergoldung. Als Bindemittel dient hier eine Mixtion, die auf einer Leimölbasis hergestellt wurde. Diese Mixtion wird gleichmäßig mit einem Pinsel oder einem fusselfreien Baumwolltuch aufgetragen. Danach folgt eine Trockenzeit, die je nach Außentemperatur und eingesetzter Substanz zwischen 3 und
12 Stunden betragen kann. Die Oberfläche muss noch klebrig sein, wenn
mit der Vergoldung begonnen wird. Bei dieser Art der Vergoldung ist es normal, dass Goldfolie überstehende Teile überlappt. Für das Einkehren der überstehenden Folie und den Ausgleich von Fehlstellen verwendet man hier ausschließlich einen Fehhaarpinsel. Nach dem Einkehren sollte die Vergoldung einige Tage ruhen, bis sie mit Watte nachpoliert werden kann und so ihren warmen, matten Ton erhält, der durch Schattenspiele auf dem reliefartigen Untergrund zu einem besonderen Eigenleben erwacht.

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© Der Kunsthandel 2012