Handwerk

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Niederländische Bilderrahmen, Teil II
Von Holland in die ganze Welt

Der erste Teil der Serie „Niederländische Bilderrahmen“ beschäftigte sich mit den Besonderheiten der holländischen Rahmenkunst, ihrer ausgewählten Schlichtheit und ihrer später aufkommenden Aufwertung im 17. Jahrhundert. Doch nicht nur im Barock wurden
die Rahmen aus dem hohen Norden als Vorbilder gebraucht –
in Deutschland, England und den südlichen Alpenländer orientierte
man sich an den flämischen Meistern – auch im angehenden
19. Jahrhundert erlebten die niederländischen Rahmen eine Renaissance.

Der Gebrauch von Edelholzrahmen reicht im flämischen Kulturkreis weit in die Zeit vor dem 17. Jahrhundert zurück. Bereits im 15. Jahrhundert, lange bevor es üblich war, in Privaträumen Gemälde zu präsentieren, gab es repräsentative Holzrahmen. Wir finden einen solchen auf dem berühmten Gemälde „Porträt des Giovanni Arnolfini und seiner Frau“ von Jan van Eyck. Dieses Gemälde, das 1434 entstanden ist, zeigt im Hintergrund einen merkwürdigen Holzrahmen, der die Form eines Zahnrades hat. Er fasst allerdings kein Gemälde, sondern einen konvexen Spiegel. Wer eine Vorstellung hat, wie selten und wie teuer damals Spiegel waren, wird sich denken können, dass mit dieser Rahmungsform bereits eine gewisse Bedeutung verbunden war. Außerdem macht die Tatsache, dass dieses Rahmenwerk an eine so zentrale Stelle eines repräsentativen Gemäldes gesetzt ist, deutlich, welchen Symbolcharakter solche Zierwerke in der damaligen Zeit hatten.

Vom Gold zum Edelholz

Zurück im 17. Jahrhundert können wir feststellen, dass die Abwendung vom Gold und die Hinwendung zum Edelholz bei der Bildeinrahmung vorherrschend waren. Man bevorzugte einfache, erdige Töne, wie sie bei dem Rahmen auf dem Gemälde von Fans van Mieris zu sehen sind. In der Sammlung Conzen, Düsseldorf, gibt es mehrere Exemplare, die dies belegen. Angelika Brunke beschreibt sie in einem 1997 erschienen Katalog über die Sammlung: „In den Niederlanden fertigte man seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts Plattenrahmen aus importierten Edelhölzern, vor allem aus Ebenholz. Massiv in Form gehobelt oder als Furnier aufgesetzt, erlaubt es der natürliche Glanz dieses außergewöhnlich harten und deshalb auch schwer zu bearbeitenden Materials, auf eine zusätzliche Fassung zu verzichten. Lediglich die schmalen Innen- und Außenprofile wurden bisweilen vergoldet und – seltener und ausschließlich zwischen den späten 30er und 50er Jahren – auch geflammt.“

Niederländische Rahmen als Vorbilder

Rahmen wie diese wurden aber bereits in jener Zeit nicht nur in Holland hergestellt. Sie waren auch in anderen europäischen Ländern weit verbreitet, zum Beispiel in England, Deutschland oder den Alpenländern. Sie wurden kopiert und sogar in preiswerteren Varianten auf den Markt gebracht.
So schreibt Angelika Brunke in dem erwähnten Katalog zur Sammlung Conzen, Düsseldorf weiter: „Den niederländischen Rahmen eng verwandt sind die im alpenländischen Raum hergestellten Platten- und Profilrahmen des 17. Jahrhunderts. Anstelle wertvoller Edelhölzer verwendete man dort bevorzugt Birnbaumholz, das jedoch schwarz gebeizt nur eine bescheidene Spielart des holländischen Vorbilds darstellt.“
Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Ebenholz gab es auf der anderen Seite hochwertige Lackvarianten, die mit Schellack veredelt waren. Schellack ist ein sehr diffiziles Material. Eine handbearbeitete Schellackoberfläche erfordert einen hohen Arbeitsaufwand. Das Grundpolieren erfolgt in mehreren Etappen. Zunächst wird eine stark verdünnte Lösung aufgetragen, um eine gleichmäßige Oberfläche zu schaffen. Hierbei wird der Lösung auch ein wenig Bimsmehl beigegeben, um die offenen Poren zu verschließen. Die Grundpolitur wird in mehreren Schichten ausgeführt bis eine gleichmäßige Oberfläche entsteht. Das Deckpolieren (zweiter Arbeitsgang) erfolgt dann mit einer konzentrierteren Lösung. Unter Zugabe von Öl und Bimsmehl wird so lange poliert, bis Hochglanz entsteht. Abschließend erfolgt das Auspolieren (dritter Arbeitsgang). Hierdurch wird die Oberfläche gehärtet und von den Ölresten gereinigt. Auf diese Weise entsteht ein schimmernder transparenter Glanz, der über dem Material zu schweben scheint.

Rückgriff auf den niederländischen Edelholzrahmen im Historismus

Die holländischen Rahmentypen blieben nicht allein auf das Zeitalter des Barock beschränkt, sondern erlebten im Historismus, während des letzten Viertels des 19. Jahrhunderts, eine neue Hochblüte. In der Sammlung Heyl in Worms ist ein repräsentativer Rahmen zu entdecken, der diesem Typus entspricht. Es handelt sich hierbei um den Rahmen eines Stilllebens von Cornelis de Heem. Cornelis wurde 1631 in Leiden geboren, verbrachte aber die meiste Zeit seines Lebens in Antwerpen, wo er 1695 starb. Er entstammt einer berühmten Künstlerfamilie. Bereits sein Großvater, der in Utrecht lebte, war in seinem Fach anerkannt. Auf den ersten Blick handelt es sich bei diesem Gemälde im Wormser Heylshof um ein zeittypisches Werk des
17. Jahrhhunderts. Es wurde erwähnt, dass es für den Künstler notwendig war, sich durch künstlerische Virtuosität einen Namen zu machen. Stillleben wie das abgebildete, gab es in dieser Zeit massenhaft. Der Maler musste sich durch die virtuose Behandlung des Sujets von seinen Konkurrenten abheben. Dies ist Cornelis de Heem mit diesem Werk hervorragend gelungen. Durch eine raffinierte Malweise macht er den stofflichen Gehalt sichtbar und betont die haptische Wirkung der kunstvoll geschmiedeten Silberplatten und die Frische der saftigen Früchte. Einen zusätzlichen Effekt erhält die Komposition durch das halbvolle Wasserglas, das im Zentrum der Komposition steht. Hier ergibt sich für den Maler die Gelegenheit, seine Kunstfertigkeit bezüglich der Behandlung von verschiedenen Stufen der Transparenz unter Beweis zu stellen. Die Farbwirkung der Umgebung wird durch die Flüssigkeit anders gebrochen als durch das Glas.

Hohlkehlen-Profil und Guckkasteneffekt

Für die Fassung dieses Gemälde wurde ein schwarzer Schellack-Rahmen nach Art der holländischen Ebenholz Rahmen gewählt. Typisch ist hier das stark ansteigende Karnies. Das Karnies (vom italienischen „cornice“ = Fries oder Rahmen) ist ein Schmuckelement aus der Architektur. Die Leiste weist eine stark ansteigende Hohlkehle auf, die nach innen mit Halbrundstäben abgegrenzt ist. Dieser Abgrenzung folgen eine schmale Platte und eine vergoldete Innenprofilleiste. An der Außenkante befindet sich eine weitere schmale Platte. Drei Rundstäbe schließen deren Kante nach außen hin ab. Hohlkehlen-Profile wie diese kommen nicht nur bei den holländischen Rahmen zur Anwendung. Wir finden diese Leistenform auch bei den rühklassizistischen Louis-XVI-Rahmen, die sich um 1800 zu einer sehr puristischen Form des reinen Hohlkehlenrahmens entwickelten, wie sie sowohl bei der klassizistischen als auch bei der romantischen Malerei Verwendung fanden. Diesen Formen gemeinsam ist der Guckkasteneffekt, der das gerahmte Gemälde tiefer als die Umgebung legt und auf diese Weise von dem übrigen Inventar abgrenzt.

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